Zeitwende - Humanismus


Der Humanismus im Aufbruch

Philipp Melanchthon wurde 1497 geboren und lebte bis zum Jahr 1560.
In diese Zeit fielen zahlreiche gravierende Veränderungen eines bis dahin relativ feststehenden politischen und weltanschaulichen Systems. Die weltanschaulichen Veränderungen sind zu einem großen Teil von Entdeckungen beeinflußt worden.

Der Wandel der Weltanschauung wird besonders anhand des kopernikanischen Weltbildes deutlich (heliozentrisches Weltbild), das die Vorstellungen des damaligen Systems widerrief.
Technische Erfindungen, wie der Kompaß oder der Buchdruck revolutionierten ein ganzes Navigations- und Kommunikationssystem. Geographische Entdeckungen, wie die Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 (5 Jahre vor der Geburt Melanchthons), veränderten ein ganzes Weltbild im wörtlichen Sinne.

Eine Konzentration von Veränderungen schafft natürlich auch Unruhe. Unruhe, die vielen als gefährlich erschien und die aus den verschiedensten Motivationen heraus bekämpft werden mußte - man erinnere sich nur an das Martyrium der sogenannten Ketzer.

Mit den Veränderungen trat auch eine neue Geistesströmung, die selbst Ursache des Wandels und gleichzeitig auch deren Ergebnis ist, auf - der Humanismus (Humanismus: lateinisch humanitas - Menschlichkeit).
Die formale Gemeinsamkeit, das Studium der klassischen antiken Literatur sowie das Erlernen der griechischen und lateinischen Sprache, war in allen Teilbewegungen des Humanismus wiederzufinden.

Erasmus von Rotterdam Diese Bewegung, die mit ihrer erneuernden Kraft auch gegen die starren scholastischen Bildungsideale anging und damit den Widerstand der Kirche entfachte, hat zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten hervorgebracht.

Erasmus von Rotterdam

Erasmus von Rotterdam ist hier wahrscheinlich der klangvollste und bekannteste Name. Wie nahe sich Humanismus und Reformation waren, zeigt, daß der große und europaweit bekannte Erasmus dem kleinen Augustiner-Eremiten-Mönch Luther applaudierte, als dieser zu seinem großen Reformwerk ansetzte. Wie gegensätzlich Humanismus und Reformation sein konnten, zeigt ein Problem, daß eben diese beiden Männer miteinander ausfochten: Die Möglichkeit oder Unmöglichkeit des Menschen, an seinem Heil mitzuwirken. Beide haben sich darüber heftig gestritten. Viele Humanisten kehrten daraufhin der Reformation den Rücken zu.

Johannes Reuchlin, 1455 geboren und 1522 verstorben, hat, wie kein zweiter, entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung und Weiterführung der humanistischen Ideen in unseren Breiten ausgeübt.
Reuchlin

Johannes Reuchlin

Auch in seiner Person spitzte sich die Auseinandersetzung zwischen dem freiheitlichen Bildungsideal und der starren scholastischen Lehre zu.
Die sogenannte Reuchlin - Fehde, die auf literarischer Ebene geführt wurde (1515-1517), zeigt mit den "Dunkelmännerbriefen" (epistolae virorum abscurorum) eine ausgesprochene satirische Seite dieses Kampfes von Neu gegen Alt auf.
Auch Reuchlin, durch dessen Schule Melanchthon ging, setzte sich vehement für das Studium der klassischen Antike ein. Dies beinhaltete bei ihm jedoch neben dem Erlernen des antiken Griechisch und Latein vor allem auch das Studium des Hebräischen - der Sprache des Alten Testaments.


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