Melanchthon und die Reformation


Reformator und Universitätsprofessor

1518 war Philipp Melanchthon durch den Kurfürsten Friedrich den Weisen an die 1502 gegründete Wittenberger Universität berufen worden. Das ursprünglich scholastische Profil der Universität mit seinem sehr eng gewordenen Bildungsideal war allerdings schon früh Reformen unterzogen worden. So gab es sehr bald Vorlesungen über humanistische Autoren - nicht zuletzt ein Verdienst des Humanistenfreundes Friedrich der Weise. Schon 1548 erhielt die Artistenfakultät, bestehend aus den klassischen antiken Lehrfächern (Grammatik, Rhetorik und Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik) einige neue Lehrstühle, darunter einen für Griechisch (den es in Deutschland bis dahin nur in Leipzig gegeben hat).
Mit den besten Empfehlungen von seinem väterlichen Freund , dem Humanisten Johannes Reuchlin, war Melanchthon für diesen Lehrstuhl berufen worden. Er kam am 25. August 1518 mit einem fertigen Programm für eine erweiterte Studienreform in Wittenberg an. Dieses Konzept stellte er nur wenige Tage später bei seiner Antrittsrede in der Universität eindrucksvoll vor. Luther schreibt am 31. August 1518, nur 3 Tage nach der Rede des 21jährigen Melanchthon, an seinen Freund Spalatin:

"Philippus hat den vierten Tag darauf, als er gekommen, eine sehr gelehrte und zierliche Rede gehalten, mit solchem Beifall und Bewunderung von Allen, daß Du nicht weiter darauf denken darfst, ihn uns anzupreisen. Wir haben bald von seiner äußerlichen Gestalt und seinem Ansehen abzusehen, wir freuen uns über seine Gaben und wundern uns, und danken dem durchlauchtigsten Fürsten sowie auch Deinem Dienste dabei. ... Ich verlange durchaus keinen andern Lehrmeister im Griechischen, so lange er uns erhalten bleibt. Nur eins fürchte ich, er möchte bei seiner zärtlichen Beschaffenheit die Lebensweise unsrer Gegend nicht vertragen können."


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