Das Leben des Reformators und Universalgelehrten


Professor an der Wittenberger Universität

Als Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen für den neu errichteten Lehrstuhl für griechische Literatur an seiner 1502 gegründeten Wittenberger Universität einen Professor suchte, wurde ihm der einundzwanzigjährige Melanchthon von Reuchlin empfohlen.
Am 28. August 1518 hielt Melanchthon seine begeisternde Antrittsrede „Über die Umgestaltung des Jugendunterrichts" und studierte außerdem unter Luther Theologie. Schon am 19. September 1519 erlangte er den ersten theologischen Grad (baccalaureus biblicus).

Wittenberg nach 1556
Wittenberg: Stadtansicht von Süden, nach 1556, Cranach-Werkstatt

Seine Vorlesungen wurden mit Begeisterung von den Studenten aufgenommen und sogar Luther, der Melanchthons griechische Vorlesungen besuchte, äußerte sich wie folgt:

„Ich danke es meinem guten Philipp, daß er uns griechisch lehrt. Ich bin älter als er. Allein das hindert mich nicht, von ihm zu lernen. Ich sage es frei heraus, er versteht mehr als ich, dessen ich mich auch gar nicht schäme. Darum ich auch gar viel vom dem jungen Mann halte und werde nichts auf ihn kommen lassen."

Die Freundschaft des 14 Jahre jüngeren Melanchthons mit Luther wurde hiermit besiegelt und blieb bis zu Luthers Tod erhalten.
Von 1519 an befaßte er sich bis zu seinem Lebensende mit dem Evangelium und der reformatorischen Theologie und konnte Luther schon bei der Disputation zu Leipzig manch gutes Wort zuflüstern - im Zorn soll Dr. Eck einmal ausgerufen haben:

„Schweige Philipp, kümmere dich um deine Studien und störe mich nicht."

Auch Luther mußte dem sich immer mehr auf die Heilige Schrift stützenden Griechen eingestehen:

„Dieser kleine Grieche übertrifft mich auch in der Theologie."

Weil man den jungen Melanchthon in Wittenberg festhalten wollte, riet man ihm, sich zu vermählen. Er äußerte sich nur mit folgenden Worten:

„Man bittet mich, mich zu vermählen und hält das für eine Verbesserung meiner Umstände. Wüßte ich, daß ich dadurch nicht in meinen Arbeiten und beim Studieren gestört würde, so könnte ich mich leicht dazu entscheiden. Vor der Hand aber wird es unterbleiben."

Doch diese Überzeugung bestand nicht lange, denn schon am 25. November 1520 heiratete er die Tochter des Wittenberger Bürgermeisters Hieronymus Krapp, Katharina Krapp.

Wittenberg nach 1556

Festumzug in Wittenberg
Melanchthonhaus (2. von links)
und Universitätsgebäude (mitte)
von Johann Joachim Ahlfeld 1756

Als Luther aus Sicherheitsgründen auf die Wartburg gebracht wurde, übernahm Melanchthon Luthers Vorlesungen über biblische Schriften an der Universität.
Durch die Bildungsreform 1525, die der neue Kurfürst Johann der Beständige durchsetzte, war Melanchthon von seiner Professur befreit und konnte Vorlesungen zu jeder Thematik halten.
Gestützt auf seine Vorlesungen zu ethischen und politischen Schriften des Aristoteles und Ciceros, die 1529 bis 1532 veröffentlicht wurden, publizierte er ab 1538 sein eigenes System der Ethik bzw. seit 1550 dessen verbesserte Fassung. 1540 veröffentlichte Melanchthon den ersten Teil seiner Lehre vom Menschen (De anima, endgültige Fassung 1553) und wenig später 1549 sein physikalisches Werk, in dem er sich auch zu dem gerade veröffentlichten kopernikanischen Weltbild äußerte. Neben der Vielzahl seiner Werke kommentierte er auch neutestamentische Schriften. So publizierte er 1527 seinen Kommentar zum Kolosserbrief sowie 1529 bis 1556 den zum Römerbrief (1529 kurze Einführung, 1532 erster vollständiger Kommentar, 1540 sowie 1556 Ersetzung durch Neubearbeitungen).
Auch in der Universitätsverwaltung war er engagiert, 1523/24 bzw. 1538 bekleidete er das Amt des Rektors und 1535/36 bzw. 1546 - 1548 das Amt des Dekans der philosophischen Fakultät.
Seit 1555 hielt Melanchthon in Wittenberg Lesungen über die Weltgeschichte. Das dazu entstandene Werk veröffentlichte er aber unter dem Namen des Berliner Hofastrologen Johann Carion.



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